Der Vorstand des FanRat Braunschweig e.V. und der Vorstand der Fanabteilung des BTSV Eintracht von 1895 e.V. reagieren mit großem Befremden auf das von Eintracht initiierte Projekt #AlleZusammen im Punkt „künstliche Stimmung“ und werden nicht daran teilnehmen. Sowohl die Art und Weise der geplanten Aktion, als auch die (Nicht-)Kommunikation im Vorfeld irritieren uns leider sehr. Die Kritik bezieht sich hierbei nicht auf die T-Shirt Aktion oder das Motto #AlleZusammen.

Zur Aktion an sich

Natürlich würden wir die Mannschaft gerne in dieser entscheidenden Phase unterstützen und der 12. Mann sein! Natürlich würden wir sie gerne zum nächsten Sieg und zu den nächsten drei Punkten brüllen! Und selbstverständlich verurteilen wir niemanden, der sich an der Aktion beteiligt. Die Pandemie zehrt an unser aller Nerven und geht uns gewaltig auf den Keks. Der Stadionbesuch und die Unterstützung der Mannschaft sind die Grundessenz des Fandaseins und fördert unsere Identifikation und Liebe zu unserer Eintracht. Seit nun mehr als einem Jahr sind wir Fans auf „Entzug“ und zur Tatenlosigkeit verdammt – das macht uns zwar verrückt, trübt aber trotzdem nicht unser Verständnis von Fankultur. Diese wird von realen Menschen im Stadion als soziokultureller Raum gelebt. Nicht vom Band!

Eine wie auch immer geartete künstlich erzeugte Stimmung ist uns zuwider und wird bei uns niemals auf Akzeptanz stoßen – egal wie lange diese Pandemie dauert. Und in diesem Fall heiligt der Zweck für uns auch keineswegs die Mittel. Zusammenhalt und Unterstützung im Abstiegskampf ist wichtig und wird von uns ausdrücklich begrüßt – aber nicht unter dem Deckmantel solcher Aktionen. Stimmung und Emotionen machen für viele Menschen den Stadionbesuch aus und sind schlichtweg nicht zu ersetzen! Wir sagen: Wehret den Anfängen, denn schon der Versuch, künstliche Stimmung zu generieren, darf keine Schule machen.

Zur Kommunikation rund um die Aktion

Es betrübt uns daher sehr, dass die Verantwortlichen von Eintracht einmal mehr die Interessen und Wünsche von engagierten Fans nicht mit einbeziehen, schlimmer noch, sie anscheinend gar nicht (mehr) zu kennen scheinen und so sorglos mit dem für uns höchst sensiblen Thema „künstliche Stimmung“ umgehen. Entsprechend kritisieren wir nicht nur das fehlende Fingerspitzengefühl, sondern auch das bereits vielfach angesprochene Kommunikationsproblem: Wie so oft wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt. Keine uns bekannte Fanorganisation in Braunschweig wurde im Vorfeld von Eintracht in dieses Projekt mit eingebunden. Ein gleichberechtigter Dialog, Transparenz und die Entwicklung gemeinsamer Ideen für den Saisonendspurt haben wieder nicht stattgefunden – schade!

Diese Stellungnahme soll nicht als Aufruf zur Nichtteilnahme (miss)verstanden werden, denn wir respektieren andere Meinungen zu diesem Thema. Dennoch möchten wir dringend daran appellieren, nicht sorglos mit unserer über Jahrzehnte gewachsenen Fankultur in Braunschweig umzugehen. Und vor allem, die Fans in solch wichtigen Themen mitzunehmen – auch, um im Bestfall eine authentische wie von allen gelebte Aktion zu initiieren.

Der Vorstand des FanRat Braunschweig e.V. im April 2021
Der Vorstand der Fanabteilung des BTSV Eintracht von 1895 e.V. im April 2021