Fortuna-Videos.de – ein durchaus auch in Braunschweig bekanntes Portal, welches seit nun über zehn Jahren die Fußballwelt mit gut gemachten Videoclips zu den Spielen von Fortuna Düsseldorf versorgte. Nicht die Spielszenen regierten hier die YouTube-Welt; es waren die Impressionen aus der Kurve, von den Rängen und damit Szenen aus dem Herzen der Fortuna, welche auch in der „Löwenstadt“ nach dem Zusammenschnitt des legendären 5:5s gegen unsere Eintracht in bester Erinnerung sind.

Doch aus dem „sind“ kann man nun getrost ein „waren“ machen – seit dieser Woche ist der Domain von fortuna-videos.de zwar noch erreichbar, sein YouTube-Channel ist es jedoch nicht mehr. Niemand geringeres als die DFL höchstselbst hat beim Clip-Portal mit Blick auf die Lizenzbestimmungen Einspruch eingelegt und eine Abschaltung nahezu aller Videos verlangt. Pikanter Weise dabei auch sogar jene, welche Fortunas Oberligazeit und damit eine Ära lange vor Pay-TV und Vermarktungsrechte betrafen.

Der Stop von fortuna-videos.de hat zwei Seiten: Einerseits droht einem der ältesten und bekanntesten Fanseiten die Schließung, was an idealem Wert natürlich bereits eine Traurigkeit in sich darstellt. Viel schwerwiegender ist jedoch dagegen der Grund, weshalb es dazu kommen musste: Es mag der Wahrheit entsprechen, dass der sportliche Aufschwung des deutschen Fußballs auch den neuerdings horrend hohen Fernsehgeldern „geschuldet“ ist. Und es mag sicher auch logisch klingen, dass diese Fernsehanstalten für ihre Millionenspritzen ein Maximum an Exklusivität verlangen. Doch bedroht ein Fanportal, wie fortuna-videos.de wirklich dieses TV-Wunderland? In Zeiten, in denen jedes halbwegs gute Handy mit einer ähnlichen Bildauflösung Videos produzieren kann, die noch dazu direkt bei Facebook landen können?

Die Fortuna-Macher haben auf ihre Weise professionell gearbeitet, jedoch nie versucht, kommerziellen Gewinn mit den Videos zu erzielen. Ganz im Gegenteil: Ihre Arbeit diente als Anerkennung für die Fankurven und damit für das, was den Fußball erst so finanziell attraltov macht. Alle Welt bejubelt die deutsche Fankultur, das „Premiumprodukt Bundesliga“, wo es keine Chaosverhältnisse wie in Italien, oder Grabesstimmung, wie in England oder Spanien gibt. Und gerade jetzt, wenn sich diese bunte Kultur ohnehin in aller Regelmäßigkeit über das fehlende Verständnis der Verbände beklagen muss – da haben diese nichts besseres zu tun, als auch noch der letzten Fanseite das Leben schwer zu machen. Große Diplomatie und ein weiterer Schritt in die falsche Richtung. In Richtung eines Fußballs, der so kontrolliert ist, dass er nicht einmal mehr zum Event taugen mag.

Kommentar: Robin Koppelmann, FanPressesprecher Braunschweig für den FanRat